Klassische Panoramen und Bilder aus der Cottbuser Stadtgeschichte

Drei Gesichter innerhalb 50 Jahren: die Berliner Straße/Berliner Platz in Cottbus

Prolog - das erste, unbekannte Gesicht

Ich lernte die Stadt Cottbus erst 1974 kennen und habe somit keine Aufnahmen von der bis ca.1965 bestehenden, kleinteiligen Bebauung rund um den Berliner Platz. Dieses Areal musste man sich so vorstellen, wie der heutige Altbestand der Häuser um den Altmarkt ist. Kleine Gebäude, die außerhalb der alten Stadtmauern nicht ganz so reich verziert waren, ein Mix aus Wohngebäuden und kleinen Geschäften. Viele hatten den Krieg überstanden, wurden aber in den Folgejahren - von den Stadt-Oberen gewollt - sehr vernachlässigt. Mit der gestiegenden Bedeutung von Cottbus als Bezirkshauptstadt und als Zentrum der Kohle- und Energiewirtschaft, wurde das westliche Stadtzentrum großflächig neu gedacht. Die kleinteiligen Bauten verschwanden, trotz einiger wirkungsloser Proteste und es wurde Platz gemacht, für den Aufbau einer "sozialistischen Großstadt". Wer mehr über dieses "erste und ursprüngliche Gesicht" der Berliner Straße/Berliner Platz erfahren will, wird im Stadtmuseum Cottbus fündig.


Die Ära "Hotel Lausitz" vom 18.Juli 1970 bis 14.November 1992

Das 180°-Panorama (damals noch mit Negativ-Film fotografiert) zeigt den Blick von der Wohnscheibe an der Karl-Marx-Straße auf das "Hotel Lausitz" bis in südliche Richtung zur Bahnhofstraße im Jahre 1992. Das Hotel bildete zusammen mit der Stadthalle die nördliche Grenze des in den 60/70er Jahren erbauten modernen Innenstadt-Ensembles Stadtpromenade. Die Grundsteinlegung für das Hotel war am 26. September 1968. Knapp zwei Jahre später, am 18.07.1970 wurde das "Hotel Lausitz" fertig gestellt und feierlich eingeweiht. Das Drei-Sterne-Hotel galt damals mit seinen 214 Zimmern und fast 400 Betten als größtes und exclusivstes Hotel in Cottbus. Viele Politiker und große in- und ausländische Künstler, die in der benachbarten Stadthalle auftraten, nächtigten hier. Zudem war das Hotel auch eine wichtige Devisen-Einnahmequelle (Thema "Intershop") für die damalige DDR. Das Restaurant mit rund 200 Plätzen im Flachbau vor dem Hotel bot gehobene Küche im angenehmen Ambiente, ohne den Normalbürger auszuschließen - wenn er denn mal Zutritt bekam, denn das Restaurant war zu 90% durch die Hotelgäste belegt. Trotz längeren Wartezeiten oder mit sehr frühen Reservierungen konnte der Normalverdiener zu bezahlbaren Preisen Spitzenküche genießen. Man bekam Exportbier, und das Schnitzel kostete 4,00 (DDR-)Mark. 163 Beschäftigte (Zahl aus dem Jahr er Eröffnung) sicherten den Betrieb ab und versorgten rund 50 000 Gäste pro Jahr. Der Innenausbau wurde zum großen Teil vom VEB Raumgestaltung ausgeführt. Alle zwei Jahre wurden die Gasträume und das Foyer vom gleichen Betrieb renoviert. Die ersten Gäste waren übrigens Kinder, die im Rahmen des 6. Pionier-Treffens in Cottbus im "Hotel Lausitz" untergebracht wurden. Ein Jahr nach der Eröffnung wurde das Hotel um eine viel genutzte Sommerterrasse erweitert.

Bau der Spreegalerie Cottbus

Neue Pläne Anfang der 90er Jahre: Cottbus denkt mehr und größer

Anfang der 90er Jahre begannen in Cottbus Planungen für ein Großereignis. In Berlin sollte die Bundesgartenschau 1995 stattfinden. Doch dort standen große Aufgaben in Richtung Hauptstadt der Bundesrepublik an und die Stadtspitze sagte wegen der erhöhten Finanzbelastungen ab. Cottbus reagierte schnell, bewarb sich und bekam den Zuschlag zur Bundesgartenschau 1995 - die erste in den neuen Bundesländern. Somit begann Cottbus das Stadtzentrum um den Berliner Platz neu zu überdenken. Das "Hotel Lausitz" erschien nicht mehr zeitgemäß und groß genug, um die zu erwartenden Besuchergruppen zur BuGa aufzunehmen. Die Fördermittel flossen in jener Zeit reichlich, Investoren gaben sich damals noch die Klinke in die Hand. Förderlich war zudem die Aufnahme der Stadt Cottbus in die Modellstadtprojekte (Modellstadt Cottbus), welches eine länger währende Laufzeit von 1992 über einige Fortschreibungen bis Mitte 2017 hatte. Man plante jetzt ganz groß. Das alte Hotel sollte samt seinem Parkplatz zurückgebaut werden. Statt dessen sollte ein, für Cottbuser Verhältnisse, riesiger Gebäude-Komplex mit einem großen 14-stöckigen Hotel, einem großen Shopping-Center (damals noch mit dem Namen "Herz der Stadt"), einer modernen Tiefgarage mit 600 Stellflächen und vielen vermietbaren Büros (25.000 m² Fläche) entstehen.

Abriss Hotel Lausitz in Cottbus

Ab Mitte 1992 wurde das Bauvorhaben realisiert. Am 14.11.1992 schloss das "alte" Hotel Lausitz nach nur 22 Jahren des Bestehens seine Pforten für immer. Für die Bauphase des neuen Komplexes wurde in einem Plattenbau die "Residenz Lausitz" mit 128 Zimmern eingerichtet. Diese war, nicht zuletzt wegen der vielen Bauaktivitäten und des zunehmenden Fremdenverkehrs gut ausgelastet und hatte bis 01.09.1995 Bestand. Der erste Spatenstich für den gesamten Baukomplex erfolgte am 22.10.1992. Während ein Teil des Weihnachtsmarktes auf dem Stadthallenvorplatz stattfand wurde nur wenige Meter daneben das "Hotel Lausitz" abgerissen - Baggerlärm konkurrierte mit weihnachtlichen Klängen und die Cottbuser Bevölkerung nahm reichlich Anteil am beginnenden Baugeschehen. Das alte Hotel fiel innerhalb eines Monats. Die anfallenden 20 000 Kubikmeter Bauschutt mußten abtransportiert und entsorgt werden. Parallel zum Abriss entstand eine 8,5 m tiefe Baugrube auf einer unglaublichen Fläche von 15.600 Quadratmetern. Die ganze Grube wurde mit Spundwänden an den Seiten und 15.000 Injektionen mit je 420 Liter Weichgel auf dem Grund durch die Firma Franki Grundbau GmbH gegen das Eindringen von Grundwasser abgedichtet

Rückbau Hotel Lausitz in Cottbus im Dezember 1992

Abriss Hotel Lausitz in Cottbus im Dezember 1992

Abriss Hotel Lausitz in Cottbus im Dezember 1992

Am 25.05.1993 erfolgte im Beisein von OB Kleinschmidt die Grundsteinlegung und damit der Start für die Aufbauphase. Damals wurden die Kosten für das Gesamtprojekt mit 250 Mill. D-Mark angeggeben. Zudem sind rund 1000 neue Arbeitsplätze für den gesamten Komplex prognostiziert worden.

Im Spätsommer bis Ende 1993 war der "Lausitzer Hof" Thema hitziger Debatten im Stadtparlament Cottbus. Was war geschehen? Die Stadt hatte vor einiger Zeit einen weitgehend geheimen Vertrag mit dem Investor des "Lausitzer Hof`s" geschlossen wonach sich das Rathaus für jährlich 7 Millionen Mark für 15 Jahre (man sprach von einem Gesamtwert von 90 Mill. Mark) in dem Komplex einmietete. Damit sollten sich die Arbeitsbedingungen der Stadmitarbeiter verbessern und durch die kürzeren Wege auch die Kundenfreundlichkeit für die Bürger. Das ganze hatte nur zwei Haken: das fertige Vertragswerk kam zwei Jahre verspätet zur Diskussion ins Stadtparlament und das Stadtparlament wurde über diesen Vertrag nicht detailliert unterrichtet. Vor allem Abgeordnete aus der Fraktion "Bündnis für Cottbus" monierten den "Geheimvertrag" als undemokratisch zustande gekommen und prangerten die hohe Miete an. In der Folge lieferte man sich über Monate in der örtlichen Presse üble Redeschlachten. An den Cottbuser Bürgern ging das alles einfach vorbei, nicht zuletzt deswegen, weil ein Großteil der Debatten zum Thema in nicht öffentlichen Sitzungen, also geheim abgehandelt wurden. Selbst die Landes-Kommunalaufsicht in Potsdam kritisierte den außerparlamentarischen Weg des Zustandekommens des 18seitigen Vertragswerkes. Dennoch ging alles weiter wie bisher. Zum Einen hätte Cottbus beim Platzen des Vertrages hohe Konventionalstrafen zahlen müssen, zum Anderen wurde auch der Investor immer unruhiger, weil er wegen der jetzt öffentlich gewordenen Debatten fürchtete, das potentielle Mieter für das Objekt wieder abspringen.

Anfang März 1994 erfolgte auf der Tourismusbörse in Berlin die offizielle Ankündigung, dass der weltgrößte Hotel-Betreiber "Holiday Inn" in den Gebäude-Komplex "Lausitzer Hof" einziehen wird. In der Ankündigung sind nachfolgende Parameter für das Cottbuser "Holiday Inn" erwähnt worden: In dem neungeschossigen Hotelturm an der Stadthalle soll es 190 Zimmer geben, 78 Zweibettzimmer, 84 Doppelzimmer, 22 Einzelzimmer und elf komfortable Suiten. Das Cottbuser "Holiday Inn" wird in den weltweiten Verbund von 1700 Holiday-Inn-Hotels eingebunden und öffnet kurz nach Beginn der Bundesgartenschau im Mai 1995 seine Türen.

Bau der Spreegalerie in Cottbus im April 1993

Neuau der Spreegalerie in Cottbus im April 1993

Bau der Spreegalerie in Cottbus im Juli 1993

Bau der Spreegalerie in Cottbus im Dezember 1993

Durch den Bau weiterer Einkaufscenter (Groß Gaglow, Cottbus-Sielow, Kolkwitz), vor allem an den Stadträndern, der "Grünen Wiese" zeichnete sich mehr und mehr ein Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ab. Zuden befürchtete man, das sehr viel Kaufkraft in die Randgebiete der Stadt abgezogen würde. So überraschte der damalige Lausitzer-Hof-Centermanager Rainer Pietzsch auf der Sitzung des bezirklichen Beirates des Einzelhandelsverbandes Cottbus im Juli 1994 mit der Aussage: "Wenn die Investoren des Lausitzer Hofes von Anfang an gewußt hätten, wie umfangreich der Lausitz Park in Groß Gaglow inzwischen ausgebaut wurde, dann hätten sie nicht im Cottbuser Stadtzentrtun das Center hochziehen lassen." Anfangs wurde der Konflikt zwischen Anzahl der Kunden/Kaufkraft und den reichlichen Verkaufsflächen zwischen Einzelhändlern der Innenstadt und Einkaufscenntern ausgetragen. Nun erreichte der Missstand auch alle größeren Konsumtempel, obwohl viele noch nicht einmal fertig gebaut waren.

Das Richtfest auf der damals größten privaten Baustelle in Brandenburg wurde am 28.04.1994 mit rund 700 geladenen Gästen (u.a. mit dem brandenburgischen Wirtschaftsminister Walter Hirche und dem Oberbürgermeister von Cottbus, Waldemar Kleinschmidt) gefeiert. Der Richtkranz wurde auf eine Höhe von 50 m gezogen und alle Seiten betonten, dass Cottbus einen wichtigen Zugewinn für seine Attraktivität erfährt.

Bau der Spreegalerie in Cottbus im Juli 1993

Haben Sie selbst Bedarf an einer Fotodienstleistung zum Thema Bau-Dokumentation, dann können Sie mich kontaktieren. Nach einem Gespräch bin ich mir sicher, auch Ihnen helfen zu können.