Luftbild Spreaue
Erdarbeiten für die schaffung eines Spree-Nebenarmes bei Fehrow
Mit Rad, Drachen und Spiegelreflex-Kamera: die erste KAP-Tour 2009
Pünktlich zum Frühlingsanfang 2009 mobilisierte der Winter seine letzten Reserven und schickte ein Schwall glasklare Polarluft in die Lausitz. Neben der empfindlichen Abkühlung brachten die Luftströmungen eine "Sicht bis Grönland" sowie herrlich konstante und kräftige Winde mit. Ideale Bedingungen für einen KAPer. Am Abend vor der Tour wurde die Ausrüstung überprüft (Thema Sicherheit), die vorherrschenden Windrichtungen abgefragt und reichlich Batterien geladen bzw. Speicherkarten geleert.
Pünktlich 7.00 Uhr ging es per Drahtesel (Thema Winterspeck abtrainieren) los. Doch schon nach einem Kilometer bemerkte ich mein erstes Versäumnis: bei 2 Grad Lufttemperatur sollte ich besser Handschuhe überstreifen... hoffentlich wärmte die Sonne noch ein wenig mehr, denn mit tauben Fingern würde ein sicherer Drachenflug unmöglich sein.
Ich beschloss die 8 km bis zum Startpunkt meiner Unternehmung im Sprint zurückzulegen. Dies erwies sich als ein probates Mittel um den Körper anzuheizen. Ziel war die Spreebrücke bei Fehrow. Ganz in der Nähe wurde an einem neuen Nebenarm der Spree "gebastelt" - genau das wollte ich festhalten.
Der Wind nahm von Minute zu Minute zu und pegelte sich bei Durchschnittlich 25-30 km/h ein und erreichte in seinen Spitzen 45-50Km/h. Ein Absturz wegen Windmangels war also nicht zu befürchten. Die Windspitzen allerding machten mir schon Sorgen. Mein Flowform-Drachen fliegt zwar sehr stabil bis Windgeschwindigkeiten von 60km/h, entwickelt aber mit seinen rund 4 Quadratmetern Windfläche ungeheure Zugkräfte.
Nach ein paar Trockenübungen am Boden (ich produzierte dabei einige Panoramen) und einem kurzen Probestart zur Kontrolle der Hauptwindrichtung wurde es ernst. Die Kamera wurde eingeklinkt, der Intervallauslöser scharf gemacht und der Drachen freigegeben. Mühelos und gutmütig trug er die Last von insgesamt 1,4 kg nach oben. Der Spreebereich von der Fehrower Brücke bis etwa 2km in Richtung Osten wurde in der Folge mehrmals abgelaufen. So war ich sicher, alle gewollten Aufnahmen im Kasten zu haben.
Weil alles so gut lief, wurde ich mutig.Ich ließ den Drachen oben, verzurrte das Geschirr mit der Halteleine noch sicherer am Körper und setzte mich aufs Rad.
Arthur-Batut-Museum
Normalerweise ist so etwas sehr riskant. Doch heute hatte ich zum Einen sehr viele Möglichkeiten eine Notlandung einzuleiten ohne jemanden zu gefährden (leere Flächen gab es zur Genüge) und zudem war kaum Verkehr auf dem Gurken-Radwanderweg. Dank des kräftigen Windes kam ich zügig voran. Die eine oder andere Windrichtungsänderung konnte ich souverän aussteuern (für Segler ist das Alltag). Von Zeit zu Zeit musste ich jedoch ein wenig abbremsen, da ich sonst zu schnell durch die Landschaft raste und damit weniger Fotos erhielt. Meine Kamera löste alle 7 Sekunden mit Hilfe eines Intervalltimers aus. So durfte ich nicht zu schnell durch die Landschaft rasen, zumal nicht jedes Foto bei der Luftschaukelei gelingt.
Silas J. Conyne
Ich ließ mich von Fehrow bis Maiberg durch den Drachen ziehen. Dort stoppte mich eine von früheren Unternehmungen bekannte Stromleitung. Kurz vor Maiberg verursachte ich noch einen kleinen Verkehrsstau. Dort verläuft eine Straße parallel zum Radweg und gleich drei Autos und deren Insassen stoppten und stiegen aus. Sichbar erstaunt, die Einen und ungläubig nach oben schauend die Anderen - alle rätselten was da für ein Kasten unter dem Drachen hängt. Ich ließ sie im Ungewissen und bereitete mich auf die Landung vor.
Angesicht des immer noch starken Windes erwies sich die ansonsten einfache Aktion etwas schwieriger. Die Leine zog mit durchschnittlich 30-40 kg und so war ein normales Aufspulen der Leine nicht denkbar. Es wurde eine Landezone mit 100 m Platz ausgespäht, die Leine an einen Baum festgebunden und mit einem Haken der Drachen durch entlanglaufen der Leine zwangsweise heruntergeholt.
Die bewältigten Zugkräfte machten sich dann am darauffolgenden Tage als Ganzkörper-Muskelkater bemerkbar.
Letztendlich wurden an diesem Vormittag rund 600 Bilder belichtet, von denen rund 70 als gut befunden wurden.
Silas J. Conyne
Auf dem oben abgebildeten Foto sieht man die Basisstation der Unternehmung: der Autor dieses Beitrages auf dem Rad, gezogen von einem Drachen, fotografiert von einer Kamera, die am Drachen hängt.
nördliche Cottbuser Spree / Renaturierung
Das Foto (oben) ist eher unspektakulär, wenn da nicht die ehemaligen Altläufe der Spree, die vor fast einem Jahrhundert trockengelegt wurden, auf dem Acker erkennbar wären.