Luftbild Hiddensee
Luftbild Neuendorf auf Hiddensee
KAP Tour de Hiddensee, extrem hart aber mit guten Fotos (Juli 2009)
Die Planung für diesen Trip erfolgte am heimischen PC. Schon eine Woche vor dem Termin wurden aufmerksam die aktuellen Wetterlagen studiert. Zwei Tage vor dem Flug stand der Starttermin fest. Der Wetterdienst hatte Sonnenwetter und gleichmäßige Winde zwischen 30 und 50 Stundenkilometern vorausgesagt. So ließ ich mich von Schapprode nach Neuendorf auf Hiddensee mit der Fähre übersetzen (16 Euro mit Rückfahrt für knappe 6 km Fahrt - eines der teuersten öffentlichen Reisemittel Deutschlands!), wo ich gegen 8.40 Uhr ankam. Eine Stunde später versuchte ich die Flowform (den Teststart ohne Kamera hatte ich weggelassen) in die Luft zu bekommen. Dies erwies sich schwieriger wie gedacht. Der Wind machte mit dem Drachen was er wollte. Die Zellen der Flowform wollten sich einfach nicht mit Luft füllen, ständig verdrehten sich die Leinen, zirkulierende Winde vor dem Kieferwäldchen drückten den Drachen auf den Boden. Nach zehn Minuten heftigen Kampfes trug eine (seltene) gleichmäßige Böe den Drachen nach oben.
Den Intervalltimer für die Auslösung der Kamera hatte ich auf 6 Sekunden eingestellt. Als Kamera kam die Canon 20D mit dem bewährten russischen Zenithar Weitwinkel-Objektiv zum Einsatz. Die Fokussierung wurde bei diesem manuellen Objektiv auf unendlich fixiert und die Blende auf 11 eingestellt. Als ISO-Wert in der Kamera wurde 400 gewählt, um schnelle Belichtungszeiten jenseits einer 1000stel Sekunde zu ermöglichen - eine Grundvoraussetzung für scharfe Aufnahmen trotz der "Kamera-Schaukel".
Luftbild Vitte auf Hiddensee
Als die Leine komplett ausgefahren war, wurde es etwas ruhiger. Der Drachen stand wie festgenagelt in der Luft, erzeugte aber einen permanenten Zug von zwischen 30 und 45 kg. Der Wind kam von West, so daß ich den Zug (nicht gerade Wirbelsäulen-freundlich) seitlich abfing. Als positiv empfand ich die Tatsache, daß ich nur am Strand entlang laufen musste um die ganze Strecke zu "scannen". Das versprach reiche Ausbeute.
Das "Süderdorf" Neuendorf erreichte ich nach knapp zwanzig Minuten nach Start. Die weiten Räume und der wenige Baumbewuchs luden zu einen Schwenk ins Dorfzentrum ein.
Hiddensee Luftbild Vitte
Dadurch konnte ich auch die Ostseite aus der Nahsicht erfassen, was vor allem bei den Hafensichten zum Tragen kam. Auf dem Weg zurück zum Strand bekam ich die Wucht des Windes voll zu spüren. mit 45 Grad Schräglage stemmte ich mich gegen die Zugkraft der Drachenleine. So langsam dämmerte es mir, daß der Trip wohl sehr kräftezehrend sein würde. Trotz moderater 22 Grad Celsius war ich schon durchgeschwitzt und musste wohl auch für die mir entgegenkommenden Passanten einen Mitleid erregenden Eindruck gemacht haben.
Luftaufnahme Hiddensee
Der lange Strandweg bis südlich von Vitte, war für meine Kondition deutlich zu viel. So wie ich das Wasser in mich hineinschüttete, schwitzte ich es sofort wieder aus. Inzwischen meldete sich der Hunger und das Bedürfnis sich mal einen Moment zu setzen. Kurzum: nördlich der Dünenheide leitete ich eine Zwischenlandung ein, immer bedacht, auf den Wegen zu bleiben und nicht die Heidelandschaft zu zertreten. Die Leine einfach einzuholen war unmöglich. Die Zugkräfte waren zu groß. So befestigte ich die Leinenrolle an einem Baum und ging mit einem Haken die Drachenleine entlang, holte den Drachen auf diese zwanghafte Weise runter.
Luftbild Kloster auf Hiddensee
Nach einer Mittagsruhe von rund eineinhalb Stunden startete ich nur 100m vom Landeplatz entfernt erneut den Drachen. Eine Kontrolle der Daten in der Kamera hatte die Vorfreude auf die Aufnahmen bestätigt. Es würde eine reichliche Ernte geben. Batterien und Chipkarte wurden ausgetauscht (ich wollte keine Zwischenlandung mehr machen und sichergehen, das ich nicht durch technisches Versagen auf einen Teil der Aufnahmen verzichten musste).
Die Pause hatte mich nicht wirklich aufgebaut, zumal der Wind deutlich zunahm. Dennoch lief ich, jetzt mehr oder weniger mechanisch, die letzte Etappe ab und versuchte die Treppe zur Steilküste, kurz hinter Kloster, empor zu steigen. Während ich den Drachen erfolgreich zwischen dem Gestrüpp hindurch manövrierte, versagten mir die Beine. Schmerzhafte Krampf-Attacken befielen meine Unterschenkel und es bedurfte all` meiner Erfahrung, um diese gefährlichen Anfälle zu mindern.
Ich kam zwar oben an der Steilküste an und bewältigte auch den Rückweg auf der "Monstertreppe", doch ich wollte keine Risiken eingehen und beschloss zu landen. Da der "Landeplatz" zugleich ein FKK-Strand war, hatte ich entsprechende Nackedeis als Zuschauer, die zum Einen feixend, zum Anderen aber auch mit Achtung meine Bemühungengen den Drachen zu landen, honorierten.
Letztendlich musste ich noch eine Weile Fragen zu KAP-Aufnahmen, der Technik und nach der Sichtbarkeit der Ergebnisse in den Medien berichten.
Obwohl völlig zerschlagen, sah ich mir noch am selben Abend die Ergebnisse meiner Bemühungen an - es hatte sich wirklich gelohnt.
Der Ganzkörper-Muskelkater begleitete mich noch zwei Tage lang...